zweitaktpirat

2 Takte bewegen die Welt – Blog von @Maltis

24 Juli
15Comments

Piraten bei gamescom 2013 unerwünscht?

Heute landete folgende E-Mail in meinem Abgeordnetenpostfach:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter,

mit über 275.000 Besuchern und 600 Ausstellern aus 40 Ländern war die gamescom 2012 das weltweit größte Messe- und Eventhighlight für Computer- und Videospiele. Im Rahmen der gamescom 2013, die in diesem Jahr im unmittelbaren Vorfeld der Bundestagswahl liegen wird, plant der BIU unterschiedliche Formate für politische Mandatsträger.

Es wäre uns eine große Ehre, wenn wir Sie an dieser für die Branche so wichtigen Veranstaltungen als Gast begrüßen zu können.

Boah! Toll! …dachte ich mir. Die gamescom läd ein – schön! Aber es sollte noch besser werden:

Politisches Rahmenprogramm gamescom (21. August 2013, Köln ):

  • Moderierte Podiumsdiskussion „Politics meets Gamer“: 16:15 bis 17:15 Uhr, Ort: wird noch bekannt gegeben

o   Thomas Jarzombek, MdB (CDU / CSU-Bundestagsfraktion)

o   Jimmy Schulz, MdB (FDP-Bundestagsfraktion)

o   Malte Spitz (Bundesvorstand Bündnis 90 / Die Grünen)

o   Alexander Vogt, MdL (SPD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen)

Äh…ja… Da findet in NRW die weltweit größte Computer und Videospiele Messe statt und Vertreter der Piratenpartei sind auf der Podiumsdiskussion nicht eingeladen. Zur Erinnerung, in NRW selbst ist die Piratenpartei mit einer 20-köpfigen Fraktion im Landtag vertreten. Und es ist ja nicht so, dass die Piraten nichts zum Thema zu sagen hätten… wir möchten, dass Spiele jeglicher Art als Kulturgut anerkannt werden, wir möchten eine Förderung von E-Sports als moderne Form des sportlichen Wettkampfs und zum Thema Urheberrecht haben wir ebenfalls einiges zu sagen! Unter den Piraten gibt es ebenfalls einige Experten, die zusammen die fachpolitische Plattform www.pirate-gaming.de betreiben.

Ich finde es sehr bedauerlich, dass sich die Veranstalter der gamescom 2013 so von den etablierten Parteien für den parteipolitischen Wahlkampf instrumentalisieren lassen. Nein, das ist kein mimimi – das ist eine Dokumentation eines dreckigen Wahlkampfs. Die gesamte Einladungsmail im Wortlaut gibt es hier: http://pastebin.com/KWZ1FnB0

Update 1

Der Organisator des “politischen Rahmenprogramms” auf der gamescom2013 ist der BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.

Die Ziele des Vereins werden bei Wikipedia so beschrieben:

Als grundlegende Ziele nennt der BIU die Kommunikation über Computer- und Videospiele mit der Öffentlichkeit, die Maßnahmenentwicklung zur Förderung von Medienkompetenz sowie des Kinder- und Jugendschutzes und den Kampf gegen Softwarepiraterie. Außerdem sollen andere Institutionen im Kampf gegen Softwarepiraterie, wie die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) oder die Business Software Alliance (BSA) aktiv unterstützt werden.

Update 2

Natürlich habe ich den Veranstalter angeschrieben, auf die Programminhalte der Piraten sowie alle anderen Details freundlich hingewiesen. Eine Antwort liegt mir allerdings noch nicht vor. Ich werde sie umgehend hier veröffentlichen, sofern ich eine Antwort bekomme.

 

15 Responses to “Piraten bei gamescom 2013 unerwünscht?”

  1. argosy_ops sagt:

    Das gleiche Schauspiel wie jedes Jahr.

    Vor allem der Dummschwätzer Jarzombek mal wieder. Ich erinnere mich noch dran, als Fukami (damals in Piraten-Funktion) von der ESL zu einem Polit-Talk eingeladen wurde. Hatte eine Menge zu Bildung zu sagen, z.B. über unsere Initiative, jedem Schüler einen Laptop zur Verfügung zu stellen. Jarzombek hat sich das dann im Vorgespräch alles angehört und brach dann während der Podiumsdiskussion damit heraus, als sei es seine Idee gewesen – mit dem kleinen Disclaimer, dass dies nicht im Parteiprogramm stehe, ihm aber ein persönliches Ansinnen sei.

    Die Geschichte läuft aber auch mal wieder genauso wie bei den Ausstellern. Die Jupis durften nie mitmachen, die Junge Union war dann ständig da und brüstete sich, als einzige politische Jugendorganisation die Interessen der Gamer wahrzunehmen. Wir wurden sogar mal von der ESL explizit eingeladen, um als Mitaussteller auf deren Standgelände zu sein, weil denen der politische Diskurs wichtig war (u.A. die Stigmatisierung von Shootern) und sie wussten, dass wir uns im Segment Gaming stark engagiert haben. Plötzlich kam dann der Anruf, dass man die Einladung zurückziehen müsse, weil die Koelnmesse sperrt. Angeblich gegenüber allen politischen Gruppierungen, aber am Ende war die Junge Union dann doch wieder da. Und als sich dann der Bundesvorstand beschwert hat über diese fragwürdige Praxis, hat man dann plötzlich doch am Presse- und Fachbesuchertag ein Plätzchen freigemacht, wo in der Eile natürlich so schnell kein gescheiter Standbau zu machen war. Zu allem Überfluss kam dann noch jemand von der Koelnmesse vorbei und beschwerte sich über den wenig hübsch aussehenden Stand m(

  2. Tikky sagt:

    Hinschreiben, nachhaken, hinterhertelefonieren, auf den S… gehen ;-)!
    VlG
    Tikky

  3. Joachim Winters sagt:

    Einfach höflich beim Veranstalter darauf aufmerksam machen, dass seine Einladungsliste wohl versehentlich seit dem letzten Jahr nicht aktualisiert worden ist und die Piratenpartei selbstverständlich gern an der Diskussion teilnimmt.

  4. Marcus sagt:

    Das ist doch eigentlich ein Geschenkt?
    ich meine, wenn man sich an die Dynamik denkt die sich auf einer gamescom um RTL bildete, dann müsste man da doch etwas ähnliches versuchen können? Wenn das richtig angestellt und formuliert wird, zb ein vorlesen auf Youtube der Piraten meinung zu Games generell – dann wird dies doch effektiver als der auftritt auf der gamescom selbst gewesen wäre?

  5. DER BIU vertritt nur die Interessen der Entwickler und Publisher, eine richtige “Vertretung” für die Entwickler gibt es gar nicht. Ich denke ihr seit ihnen aus vielen Gründen unbequem, weil ihr wie z.B. die Linken auch mal Punkte ansprechen werdet wie z.b. Gerechte Lohnverteilung in der Spielebranche, geregelte Arbeitszeiten (normal ist 12-15 Stunden in der Crunch Time). All das passt eben nicht in das Bild, der BIU und der Politischen alten Elite. Soziale Probleme in der Branche, z.B. Gründungen von Betriebsräten, werden mal ganz ausgeblendet. Die Deutsche Spieleentwicklung ist das was es ist rückständig, und aus dem Sozialen Standpunkt heraus gesehen ein Witz.

    Jedem neuen in der Branche wünsche ich ein “Welcome to Hell”. 13 Jahre Spieleenticklung reichen mir um zu sagen das diese Branche in mir eine Hassliebe erzeugt hat.

    In 2007 hat die Linke mal eine Aufzählung der Versäumnisse in der Branche aufgezählt, seit dem hört man eigentlich nichts mehr.

    Passt alles nicht in die Milliarden Branche Spieleentwicklung.

  6. argosy_ops sagt:

    @Frank: Nunja, es gibt immer noch den GAME Bundesverband, wenngleich ich bislang auch noch nicht so wirklich von dem überzeugt bin. Ich erinnere mich noch gut daran, wie dieser eine Studie zum Thema Filesharing in Auftrag gegeben hat und diese Studie zu dem Schluss kam, dass sie zu Games mangels Daten keine Aussagen treffen kann. Trotzdem wurde die Studie in der Pressemitteilung als Argument für Free2Play verkauft. Könnte daran gelegen haben, dass die damalige Geschäftsführerin PR-Mensch bei Bigpoint war, sagt der Zyniker in mir.

    Dass die Piraten beim BIU nicht beliebt sind, wundert mich darüber hinaus aber nicht wirklich. Wir haben schwere Geschütze gegen EA bei dem Spyware-Skandal um Origin aufgefahren (derjenige, der das groß in die Medien gebracht hat, ist Pirat), äußern uns kritisch über die Lizenzbedingungen und EULAs und kritisieren das Urhebervertragsrecht, weil es die Entwicklerstudios benachteiligt.

  7. @kpeterlka sagt:

    Hallo @Maltis,
    ich hoffe doch, das dir klar ist, das die Aussage “Piraten bei gamescom 2013 unerwünscht” und ” Piratenpartei nicht auf die Bühne einer Podiumsdiskussion eingeladen” zwei verschiedene dinge sind.
    Man könnte auch sagen: die Überschrift durch deine Blogpost in nichts gedeckt.
    Wenn du zitierst „Es wäre uns eine große Ehre, wenn wir Sie an dieser für die Branche so wichtigen Veranstaltungen als Gast begrüßen zu können.“ so sehe ich nicht, das du bei der „gamescom 2013 unerwünscht“ bist.

    Ich habe auch noch nicht gelesen, das die Mitglieder der Piratenpartei Kollektiv ein Hausverbot ausgesprochenen bekommen haben, damit die aussage “Piraten bei gamescom 2013 unerwünscht” auch nur annähern die Realität trifft.

    Ja, es sitzt kein Mitglied der Piratenpartei auf der Bühne bei einer Podiumsdiskussion. Das passiert uns permanent und in Wahlkampfzeiten noch öfter. Das ist schade, aber darum sind wir nicht unerwünscht. Wir gehen hin und vertreten unsere Positionen aus dem Publikum.
    Ich hoffe, es werden viele Piraten bei der Podiumsdiskussion Anwesen sein, die Kämpferisch unsere Positionen vertreten und zeigen: wir sind Piraten, wir sind Gamer und wir sind politisch.
    Das hilft uns mehr als Behauptungen, die die Realität nicht treffen, aufzustellen.

  8. webrebell sagt:

    Der Titel ist deutlich missverständlich. Laut deinen erzählungen im Blogeintrag sind die Piraten keineswegs auf der gamescon unerwünscht sondern nur nicht zur Podiumsdiskussion eingeladen.

    Bitte differenzieren. Man könnte sonst den Titel als “Lüge” verstehen.

    lg
    webrebell

    p.s.: freundlich dran bleiben, aber nicht bei jeder Gelegenheit aufregen wenn wir Piraten mal nicht mitspielen dürfen. ;)

  9. BlossNicht0815 sagt:

    Hm,
    hat sich jemand schlau gemacht mit welchen staatlichen Mitteln/Zuschüssen das finanziert wird?!

  10. Namesi sagt:

    Also mir gefällt am besten der Kommentar von Tikky: Hinschreiben, nachhaken, hinterhertelefonieren, auf den S… gehen

  11. Horst Wesling sagt:

    Hm, wenn Du mir eine fehlerhafte oder gar missverständliche Kurzfassung einer längeren und komplizierteren Vorlage aus Eurem Landtag vorlegen würdest, dann wäre ich sauer. So aber ist es ja nur eine Einladung – und die Überschrift lässt sich leicht durch “auf dem Podium” ergänzen.
    Dennoch: Hoffentlich führt bei Euch im Landtag ungenaues Lesen nicht zu Fehlabstimmungen!

  12. [...] Piraten bei gamescom 2013 unerwünscht? (zweitaktpirat) – [...]

  13. [...] Messe: Piraten bei gamescom 2013 unerwünscht?…Zweitaktpirat  [...]

  14. @argosy_ops: der GBV ist wie der BIU nichts anderes als ein Lobbyinstrument der Gamesbranche, und wirklich nichts anderes. Es gibt keine Interessenvertretung für Developer in dieser Branche.

    Wo war eigentlich die BIU/GBV als 200 Leute bei Big Point rationalisiert worden sind?

    Wo war da der BIU/GBV? Da sollten die Piraten mal ansetzen, die Sozialen Spannungen in dieser Branche sind höher als hier vielleicht mancher erwartet!

    Ich hatte schon erwähnt das die eigentlichen Entwickler/Developer vielfach pro Piraten sind, auch wenn man natürlich erst mal negativ eingestimmt ist gegenüber neuen Modellen, aber Entwickler wollen wie die Piraten glückliche Nutzer. Und Freetoplay ist die größte Abzock Vorrichtung die es gibt, da ist nichts “Free”, schau dir einige dieser Entwicklungen an, die Publisher verdienen sich da Doof und dämlich. Eine normale Entwicklung gibt es doch schon gar nicht mehr, wo sind die AAA Entwicklungen gerade hier in Schland? Wo sind die Publisher die sich noch normale Entwicklungen antuen? Entweder hat man das Xte Addon eines Produktes, verkauft es aber zu einem AAA Preis, oder wie bei einigen sogenannten FTP Entwicklern etc.pp. geht man auf die Kapitalträchtige Free to play Schiene und schöpft die Sahne ab, bei “Dummen” Usern.

    Und dann noch ein wichtiger Punkt “Das Thema Praktikanten in der Spielebranche”; Moderne Sklaverei, mir fehlt da eigentlich nur noch das Römische Modell, die Praktikanten werden dann an ihren Zähnen und Muskeln bewertet.

    So genug :) sonst meint man noch ioch mag diese Branche nicht ;)

  15. Eric Jannot sagt:

    Tatsächlich wäre es angemessen, ein Mitglied der Piratenpartei einzuladen. Wobei die Einstellung der Piraten zzu Urheberrecht gar nicht schmeckt. Vage und vor allen Dingen nicht gerade Urheberfreundlich. Da hilft auch nicht, wenn im Programm von einem wie auch immer gearteten Interessenausgleich geredet wird. Sehr unkonkret. Aber immerhin würde es dann zu einer Diskussion zwischen Entwicklern und Piraten auf der Gamescom kommen :)

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